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Meine Faszination für den Tanz löste ursprünglich John
Cranko aus, den ich in seiner Stuttgarter Zeit als (nicht fotografierender)
Ballettbesucher erleben durfte. Besonders die Kraft, mit welcher seine
Choreografien das Raum- und Zeitkontinuum beschreiben war für die 60er
Jahre neu und bleibt für mich unvergessen. Unvoreingenommen und ohne Hintergrundwissen
über Tanztheorien haben mich Crankos Inszenierungen davon überzeugt, daß
der Tanz die älteste aller Künste sein muß und daß der Tanz eine universale
Kultur ist, die von jedem verstanden werden kann.
Seit 1992 konzentriere ich meine Fotografie auf die Tanzfotografie. Die
Tanzaufnahmen entstanden zunächst im Theater beziehungsweise den Konzertsälen
während der Aufführungen. Meine Aufnahmestandorte suchte ich immer in
nächster Nähe zu den Tänzerinnen und Tänzern: auf der Bühne, hinter den
Schabrakken oder am Bühnenrand, manchmal sogar auf der Beleuchtungsbrücke
kauernd.
Das Erlebnis des Tanzes aus unmittelbarer Nähe ist für mich über alle
Sinnesorgane wesentlich intensiver als aus dem Zuschauerraum. Die Vibration
des Bodens, die Intensität der Musik. Der durch die Bewegungen entstehende
Luftzug und nicht zuletzt der Schweiß, der bei schneller Drehung wie ein
Strahlenkranz den Körper umhüllt.
Etwa seit zwei Jahren arbeite ich mit Tänzerinnen und Tänzern auch außerhalb
der Bühne. Die Orte werden als harmonisierende oder kontrastierende Räume
zum Tanz ausgewählt. Die Akteure improvisieren nach ihrer momentanen Gefühlslage
diese Räume nur für sich und mich, ohne weitere Zuschauer in einer privaten
Umgebung. So kann ich mich ebenfalls mitbewegen, wobei ich versuche, die
Bewegung der Tänzer zu antizipieren. Dies gelingt natürlich nur dann,
wenn ich mich emotional vollkommen in den Tanz hineinfallen lassen kann.
Die Technik des mitgeführten Fotoapparates bediene ich in diesen Momenten
nicht mehr über das Bewußtsein, sondern aus dem "Bauch" heraus. Deshalb
soll und kann meine Fotografie den Tanz nicht dokumentieren, sondern sie
kann lediglich dem Betrachter etwas von meiner persönlichen Wahrnehmung
mitteilen.
Die Fotosequenzen sollen vor allem etwas von dem emotionalen Gehalt der
mir von den Tänzern erzählten Geschichte wiedergeben. Sie sind also "die
Idee einer Idee einer Idee", wie mir die Tänzerin Mpambo Wina einmal sagte.
München, im November 2000
Schmitt
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